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Das Ueberqueren der Ebenen, das Ueberschreiten der Grenzen

10 November 2010

I am in Tucson, Arizona, on the border, schreibt eine Freundin. Ich bin in Bremen, schreibe ich, vor dem Fenster seit dem frühen Morgen nur graues Halblicht; es ist nicht weit bis zur See, und nicht viel mehr als hundert Kilometer liegen zwischen dieser Stadt und der nächsten Grenze.

Du hast recht, es ist Zeit, die Lampen zu montieren, schreibt ein Freund aus der Schweiz. Er spricht vom nahenden Winter, aber er spricht auch von etwas anderem: vom Überschreiten der Grenzen, vom Überqueren der Ebenen, von der Initiative der rechten Schweizer Partei SVP, die Migranten und Migrantinnen in Zukunft noch unkomplizierter aus dem Land verbannen will.

In der Zeitung ein Kommentar eines niederländischen Soziologen zu Geert Wilders und seinen Freunden, zu Grenzen und Willkür.

Und meine Freundin in Tucson, sie ist manchmal stundenlang unterwegs in der Wüste auf der Suche nach jenen, die auf dem Weg von Mexico nach Arizona, beim Überschreiten der Grenzen, verschwunden sind.

Die Debatte hier in der Schweiz hat erneut eine scharfe, aber vom Gefühl her ja immer somnambule Wendung genommen, in dem Sinn, dass eine Mehrheit mittlerweile zu glauben scheint, es gäbe diese Unterscheidung zwischen Schweizern und Ausländern tatsächlich und ein Leben lang, schreibt der Freund aus der Schweiz, und die Menschenrechtsaktivistin Anni Lanz schreibt über Migration als eine Form des Widerstands der Armen gegen ungleiche Macht- und Besitzverhältnisse, sie spricht von Krieg gegen die Armen, und ich erschrecke, wie ich so diesen Wörter gegenübersitze an einem unauffälligen Samstag nachmittag, obwohl oder weil sie so genau zutreffen.

Ich hingegen überschreite die Grenzen unbekümmert, bin geboren in der Schweiz und kurzerhand ausgewandert, weggezogen ins Nachbarland, mit unbeschwerter Zuversicht liess ich mich nieder, stellte einen Tisch in eine Küche, mein Bett in ein anderes Land. Vor einigen Tagen habe ich die Tickets erhalten für die Reise nach Den Haag. Es ist einfach für mich, was so schwer ist für andere als wären sie gemeingefährliche Feinde in einem Krieg.

Und wo spielt jetzt die Musik? Sollen wir unsere Trompeten überhaupt auspacken und unsere Bässe, unsere Bleistifte, Notizzettel und Computer? In Arizona haben Bands ihre Konzerte abgesagt, fällt mir ein, als der Staat im April die verschärften Einwanderungsbestimmungen mit dem Namen Arizona Senate Bill 1070 verabschiedete, Sonic Youth, Conor Oberst, The Coup.

Aber zuweilen können Musik und Literatur vielleicht immerhin ein paar Lücken finden im Zaun: Das wäre gut!, denke ich: Ha! Auf dass die Musik sich nicht aufhalten lasse und die Wörter weitergegeben werden, mit der stillen Post, per Büchsentelefon, auf allen möglichen Wegen. Ist der Ort der Musik nicht immer genau derjenige, an dem sie stattfindet? Und das Übersetzen der Wörter - diese Verwandlung von einer Sprache in die andere, das Überqueren der Ebene im Kopf und auf dem Papier, das Überschreiten der Grenzen ist dann im besten Fall vielleicht eine Auseinandersetzung mit Land und Ausgangspunkt, es ist ein ausgedehnter Spaziergang weg von der Nation, durch lustige Wälder stattdessen, es ist die plötzlich erhellte Aussicht von einem Hügel weit über der Wipfelgrenze, es ist das Nachdenken über die Grenze als Konstrukt, das Grübeln über die Muttersprache und das sogenannte Vaterland, das unvermittelte Erkennen, dass man sich gleichzeitig an einem Ort befinde mit vielen anderen: Du hast recht, es ist Zeit, die Lampen zu montieren in den Weiten der Ebene, über den Schreibtischen, überall.

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