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GESCHREVEN DOOR

Portrait of Fatma Aydemir

Fatma Aydemir (DE)

VERTAALD DOOR

Portrait of Elbert Besaris

Elbert Besaris (NL)

3742-2

04 November 2017

„War er Holländer?“ fragt er mich.

Wir sitzen beim Abendessen in einer ehemaligen Kirche. Es gibt Weißkohlsalat.

„Ich denke schon, aber keine Ahnung, wir sprachen ja auf englisch,“ antworte ich.

„War sein Englisch gut?“

Ich denke nach.

„Ja, also.. Klar. Nicht schlechter als meins.“

„Aber war er Holländer?“ fragt er wieder.

„Woran soll ich denn erkennen, ob er Holländer war?“

„Sah er denn aus wie ein Holländer?“

Ich bin verwirrt.

„Wie sieht ein Holländer aus?“

„Na, wie ich,“ antwortet er.

Ich mustere ihn und trinke einen Schluck Sprite.

Der erste Festivalabend pulsiert und riecht nach Bier. Eine Flasche fällt zu Boden, ein muskulöser Mann schiebt mich zur Seite, um seine Geliebte, die an der Bar arbeitet, zu küssen. Pinkes und neongelbes Licht wird an Fassaden geworfen, damit wir auf den ersten Blick erkennen, welches die Festivallocations sind. Wir lesen Stories von Autos und vom Putzen und Sterben und von geklauten Lippenstiften und dem Leben selbst. Ich schließe die Augen.

Ich öffne sie. Sytske und ich sitzen auf einer kalten Steintreppe am Eingang des Paard. Ich krame zwei Zeitschriften aus meiner Tasche, auf die wir uns setzen können, damit wir keine Blasenentzündung riskieren. Sytske sitzt auf dem Missy Magazine (das in Berlin verlegt wird, dort, wo ich lebe), ich sitze auf De Groene Amsterdammer (aus der Stadt, in der Sytske wohnt). Wir unterhalten uns darüber, wie schwer es ist, öffentlich über eigene Texte zu sprechen.

„Ich will nicht reden. Deshalb schreibe ich ja“, sagt Sytske und zieht an ihrer Zigarette.

Ich muss lachen. Weil sie Recht hat. Natürlich kann auch ich nicht mit jeder Person ehrlich über mein eigenes Schreiben sprechen. Aber Leute haben Fragen. Meistens sogar dieselben. Deshalb denke ich mir ein paar Antworten aus und wiederhole sie immer wieder. Systke sagt, das sei eine gute Lösung.

Wir gehen rein. Im Heartbreak Hotel spielen Massih Hutak und Kerem Özilhan. Sie rappen auf niederländisch über Flüchtlinge. Zumindest ist das das einzige Wort, das ich verstehe. Der Song ist aber gar nicht melancholisch oder wütend. Im Gegenteil, Leute tanzen. Sytske übersetzt mir ins Ohr: „Die Niederlande ist so schön, dass ich ständig weinen muss.“ Wir grinsen einander an. Nicht, dass ich nicht zustimmen würde. Holland ist natürlich wunderschön, für mich, als Touristin. Aber ich mag die beißende Ironie von einem, der Holland wahrscheinlich so gut wie kein anderes Land kennt, aber der nicht als „Holländer“ gilt. Nach bestimmten Kriterien zumindest. (Er ist nicht weiß.)

Für einen Song von Pink Occulus will ich noch bleiben, aber als sie auf der Bühne ist, schaffe ich es nicht mehr zu gehen. Sie trägt ein goldenes Kleid, hat eine wahnsinnig berührende Stimme und tanzt wie eine Göttin. Ich fühle mich an alle Songs und Sängerinnen erinnert, die ich mit 16 laut aufgedreht habe, wenn ich traurig war und meine Zimmertür abschloss. Es ist wie Hypnose. Irgendwann mache ich mich auf den Weg zurück ins Hotel. Übermüdet stehe ich wieder vor der Freundinnen-Skulptur und rauche. Ich denke zurück an Zeiten, in denen alles so zerbrechlich schien.

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