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GESCHREVEN DOOR

Portrait of Fatma Aydemir

Fatma Aydemir (DE)

VERTAALD DOOR

Portrait of Elbert Besaris

Elbert Besaris (NL)

3715-2

03 November 2017

Wir sind im äußersten Westen. Westlich von Den Haag kommt nichts, kommt das Meer, also nichts. Oder nicht nichts. Da kommt Wasser, Wasser, Wasser und dann das englische Lowestoft. Sagt Google Maps zumindest. Ich kenne Lowestoft nicht, habe es nie gesehen, kann nicht garantieren, dass es Lowestoft gibt. Ich habe nie einen Ort westlich von Den Haag gesehen. Oder doch? Liegt der Rest der Welt vielleicht westlich von Den Haag? Ich glaube es nicht. Aber könnte sein.

Ich kenne Den Haag. Ich kenne die breiten Straßen von Den Haag, und die paar Wiesen und Bäume und Tiere. Ich sehe viele rechteckige Kacheln in Den Haag, Linien überall, senkrecht und waagrecht, ich sehe rechte Winkel, ich sehe Geometrie, ich sehe De Stijl.

Ich war in Den Haag vor zwei Monaten zum ersten Mal. Ich habe mich verlaufen, oder ich wusste eher nicht wohin ich laufen sollte. Ich ging nicht nach Westen, sondern nach Norden und ich traf niemanden. Die Stadt war leer. Ich sah nur Autos vorbeiziehen, oder parken, ich sah Familien aus Autos purzeln, und dann irgendwann sah ich einen Hirsch und davor einen großen Baum und unter dem großen Baum saß ein Paar, das knutschte.

Irgendwann landete ich in Chinatown. Irgendwann lande ich immer in Chinatown. Wieso suche immer nach den Orten im Westen, die dem Osten ähneln wollen? Wieso gehe ich nicht gleich nach Osten? Ich wollte nie nach China reisen, aber ich will immer nach Chinatown, oder Little Istanbul, oder zur Street of Arabs. Ich fühle mich wohl unter denen, die überall zuhause sind. Die ihr Schneckenhaus mittragen, wie ich meinen kleinen Handgepäckkoffer mit den defekten Rollen. Ich fühle mich wohl da. Ich verstehe die Idee, es ist ein Museum, ich mag Museen, die keinen Eintritt kosten. Es sind meistens die besten.

Bevor ich nach Chinatown abbiege, steht da eine Skulptur, gleich bei der Stadtbibliothek. Sie steht auf einem schwarzen Sockel und heißt „Freundinnen“. Sie zeigt zwei Mädchen, die gemeinsam auf ein Smartphone schauen. Oder eigentlich ist es ein Tablet, von den Maßen her. Die Freundinnen lächeln, während sie auf das Tablet schauen. Sie beide tragen Tunikas über ihren Jeans, und blaue Hijabs auf den Köpfen. Sie sind mir erst bei Nacht aufgefallen, als ich schlaflos die Straße entlanglief, um zu ermüden. Ich blieb stehen, sah sie an. Ich fühlte mich weniger allein.

Ich habe mit Salima gesprochen. Sie lebt in Amsterdam und sagt: „Fuck! Fatma, warum hast du dieses Buch geschrieben? Das ist meine Geschichte! Ich musste sie schreiben.“ Ich hätte sie gerne umarmt. Ich habe mit dem Mann in dem Laden namens Waterworld gesprochen, ganz am Ende von Chinatown. Er hat mir ein Tütchen hingehalten und gesagt: „Riech mal! Es ist süß! Mit Ananas!“ Ich mag eigentlich keine Ananas, aber ich sagte ihm das nicht, aus Höflichkeit. „Mhhh,“ habe ich gemacht, und das Tütchen dankend angenommen.

Ich kannte jemanden, vor vielen Jahren, nicht ganz zehn, ich machte ihm eine Szene und verschwand. Als ich ihn irgendwann doch entschloss zu suchen, war er verschwunden. Ich hörte, er ging nach Den Haag, um sich „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ anzusehen. Er ist nie wieder aufgetaucht. Hier ist er nicht. Aber ich suche auch nicht mehr.

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