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GESPRAECH ZWISCHEN DEM KLEIN- UND GROSSHIRN EINES DEUTSCHEN SCHRIFTSTELLERS W?HREND DES CROSSING BORDER FESTIVALS IM FOYER DER KONINKLIJKE SCHOUWBURG (SAMSTAG, 21.11.2009)

22 November 2009

Kleinhirn : Großer, was ist los? Du brütest.

Großhirn: Also, ich amüsier mich hier eigentlich prächtig, aber ...

Kleinhirn: Oje. Ich ahne, was jetzt kommt. Du kannst nie einfach nur genießen. Du musst immer irgendetwas finden, was dir nicht gefällt.

Großhirn: Hey, ich muss dir nichts erzählen, das weißt du, ja?

Kleinhirn: Na komm, Großer. Schieß los. Wo drückt der Schuh? Du weißt, ich höre dir immer zu. Du bist für die Philosophie zuständig, ich dafür, dass der Laden läuft. Also ...

Großhirn: Mich stört dieser Event-Charakter des Ganzen.

Kleinhirn: Und?

Großhirn: Also, ich amüsiere mich hier prächtig, weil ich einige großartige Bands kennen gelernt habe, von denen ich sonst nie etwas gehört hätte. Aber ich habe das Gefühl, dass bei solchen Veranstaltungen die Gefahr besteht, dass der Rahmen wichtiger ist als das, was da präsentiert wird, das Bild sozusagen. Vorhin bei dem Konzert filmten alle in der ersten Reihe und guckten sich das Ganze nur durch ihr Handy an. Und das ist doch ein Phänomen, das zunehmend stärker wird, oder? Der Event-Charakter von Kunst. Wir gehen nur hin, wenn die Verpackung stimmt. Wir kaufen das Buch vor allem, wenn uns das Cover gefällt und das Autorenfoto und die Biografie des Autors - und dann, als ein Faktor unter vielen, wenn die Story und der Stil stimmen. Wir nennen Comics jetzt Graphic Novels, obwohl keiner genau sagen kann, was das bedeuten soll - aber es klingt halt cooler.

Kleinhirn: Aber so ist halt das Leben, Großer. Wir reagieren nur mal auf Oberflächenreize. Und erst dann steigen wir tiefer ein.

Großhirn: Mag sein, Kleiner. Aber ich habe eben das Gefühl, dass dieser zweite Schritt gar nicht mehr gemacht wird. Das Event feiert das Kurzzeitgedächtnis. Events stehen für die Krise der Dauer. Lass es mich mit Walter Benjamin sagen: Wir erleben heute nur noch. Aber wir erfahren nicht. Und dann das zweite Problem: Nicht nur dass z.B. bei Büchern die Gefahr besteht, dass all die Begleitumstände eines Buches wichtiger werden als das, was drin steht; was passiert denn mit jenen Texten, die sich nicht dazu eigenen, in den Zusammenhang eines sexy Events gestellt zu werden? Du weißt, dass es gerade die Bücher sind, die ich besonders gut finde, die auf den ersten Blick extrem unsexy und anstrengend wirken. Musil, Proust, und, weil wir hier in Holland sind, manches von Bordewijk.

Kleinhirn: Großer, das siehst du definitiv zu schwarz.

Großhirn: Ach du immer mit deinem Optimismus, Kleiner. Von wegen „Das Leben geht weiter" ...

Kleinhirn: Naja, du hast es ja selbst gesagt: Werke oder Künstler, auf die man sonst nie aufmerksam werden würde, können doch durch so eine Rahmung, wie du es nennst, einen ungeahnten Aufmerksamkeitsschub erfahren. Außerdem setzt sich langfristig das Gute durch, meinst du nicht?

Großhirn: Die Musiker Harry Nilsson, Judee Sill, oder den Schriftsteller Hermann Broch - kennst du die? Nicht, gell? Die kennt nämlich niemand heute, obwohl die absolut genial waren. Also, dass das Gute gewinnt usw. ist meines Erachtens eine Erfindung von Kleinhirnen. Ich habe allerdings da so eine Theorie, dass es eine Lösung geben könnte.

Kleinhirn: Na, da bin ja mal echt gespannt.

Großhirn: Also: Die Entwicklung, dass wir immer mehr auf Reize reagieren, werden wir nicht aufhalten können. Du nicht und ich nicht ...

Kleinhirn: Ach, dein Sinn für Humor ...

Großhirn: Aber wenn das Event zum Alltag geworden ist, wird das, was bisher in keinen Rahmen passte, ein ungeahntes Interesse erfahren. Dann wird der Rahmen das Bild und umgekehrt. Events feiern das permanent Neue. Wenn alles neu ist, ist nichts neu. Stattdessen wird in diesem Moment, in einer plötzlichen Umkehr, das Komplexe, das Lang-weilige ungemein attraktiv erscheinen. Die Erfahrung wird zum Erlebnis ...

Kleinhirn: Großer, ich glaube, jetzt sind bei dir endgültig einige Sicherungen durchgebrannt. Ich fände es gerade wesentlich attraktiver, zu Monsters of Folk zu gehen und dem gutaussehenden Conor Oberst zuzuschauen, was meinst du?

Großhirn: Habe ich denn eine Wahl, Kleiner? Du bist für die Bein-Sektion zuständig. Also, setz die mal ruhig in Gang. Ich denke noch ein bisschen nach ...

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