GESCHREVEN DOOR

Thomas von Steinaecker (DE)
VERTAALD DOOR

Shailoh Phillips (GB)

Iannis Goerlandt (NL)
MS. Found in a Bottle
20 November 2009
Mein Name ist Bunny Steiff wie Steiff, der Stofftierhersteller. Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich noch habe, bevor ich auseinanderfalle oder von Fischen gefressen werde, geschweige denn ob der Kuli, mit dem ich diese Zeilen schreibe, auf dem Karton haften bleiben wird, sodass man meine Sätze entziffern kann - vorausgesetzt meine Nachricht wird überhaupt gefunden werden ... doch damit verständlich wird, wie ich in diese missliche Lage kam, beginne ich von vorne. Ich erblickte das Licht der Werkshalle E, Spielzeugherstellung Steiff, Standort Giengen, am 22. August 2009. Mein Rumpfteil wurde mit Wolle und Stoff gefüllt, daran per Hand mit Stichen, die nicht weh taten, meine Arme und Beine genäht, und schließlich mein Kopf angebracht. Ich maß 20 x 12 cm (mit Ohren). Ich war komplett. Um aber offiziell als Stoffhase der Firma Steiff gelten zu dürfen, musste ich nach meiner Produktion noch die berühmten Steiff-Tests bestehen. Nur sie machen Stofftiere zu Steiff-Tieren. Mein Fell aus Alpaka, Mohair und Plüsch wurde dem Steiff-Flammentest unterzogen; Steiff-Mitarbeiter drückten mit ihren Daumen in meine Glasaugen und warfen mich mit all ihrer Kraft zu Boden, um zu gewährleisten, dass ich den täglichen Umgang mit Kleinkindern langfristig aushalten würde. Ich bestand mit Erfolg und erhielt das, wonach sich alle Stofftiere sehnen: den goldenen Knopf in meinem langen rechten Hasenohr mit dem Logo meines Erzeugers und dem Satz, der die Welt bedeutet: „Nur das Beste ist für Kinder gut genug."
Zusammen mit über 100 Stofftierartgenossen wurde ich wenig später per Lkw an jene Orte geschickt, die wir Stofftiere als Fegefeuer bezeichnen: die Spielzeugläden. Wie lange wir dort in Regalen liegen! Wie unsicher unser Schicksal ist! Wie wird das Kind uns behandeln, dem wir geschenkt werden? Denn das sind wir: Geschenke. Wir bringen Freude. Wir bringen Spaß. Zum Glück hat die Firma Steiff verhindert, dass ihre Erzeugnisse in jenen unseligen gläsernen Apparaturen an zügigen Bahnsteigen oder Kaufhauseingangsbereichen angeboten werden, in denen Jugendliche oder Betrunkene mittels eines Kranarms nach unschön durcheinander gewürfelten

























.png&w=256&q=75)











