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olga - blog 3

14 November 2015

Endlich! Das Festival hat angefangen und erinnert tatsächlich an eine gelungene Klassenfahrt. Wobei ich an meine Schulzeit keine allzu guten Erfahrungen habe und auch die Klassenfahrten fast aus meinem Gedächtnis verdrängt habe. Die Institution Schule schafft unglaublich viele Demütigungen, Misserfolge und Identitätszweifel. Die Klassenfahrt verspricht immer einen kleinen Ausbruch aus dieser Sinnlosigkeit.

In Den Haag ist es besser. Viel besser. Alle fünf Minuten trifft man in der Lobby einen alten Bekannten, man grüßt sich, umarmt einander und freut sich aufrichtig. Da gibt es die großartige Nini Harataschwili, die letztes Jahr ein einmaliges und herausragendes Buch veröffentlicht hat, „Das achte Leben" erzählt ein ganzes Jahrhundert russischer, sowjetischer und georgischer Geschichte am Beispiel der Familie Jaschi, in der sich sowohl Regime-treue Kommunisten als auch Dissidenten tummeln. Mehrere Genrationen scheitern an sich selbst, den unterschiedlichen Systemen, der Familie und der Liebe. So werden auch die wenig aufgearbeiteten Jahre in Georgien der 1990ger Jahre in diesem Buch erzählt. Wie viele Epochen in der Geschichte des Kaukasus war es ein dunkles Kapitel, das noch weit davon ist, erforscht oder gar neutral beschrieben worden zu sein. Leider ist es auch die Zeit, in der ich aufgewachsen bin, weshalb mir dieses Buch so sehr am Herzen liegt. Das Buch ist schonungslos ehrlich, historisch wahrhaftig und gut recherchiert. Nino Harataschwili vermag nicht nur Gefühle und Mentalitäten zu vermitteln, sondern auch geschichtliche Fakten, die gerne und vor allem in unserer Zeit unter den Teppich der Erinnerung gekehrt werden.

Etwas ähnliches gelingt es auch dem nicht minder großartigen Nir Baram. In seinem letzten Buch beschreibt er das Leben unter dem Nationalsozialismus als auch unter dem Stalinismus. Vor allem der „russische“ Teil hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Eine Szene in der eine junge Tcheka-Mitarbeiterin, die gezwungen wurde die eigene Familie zu verraten, befragt einen ehemaligen Freund ihrer Eltern in der Zentrale des Sicherheitsdienstes – er soll gestehen. Doch stattdessen übergießt er ihre Hand mit kochend heißem Wasser.

Und dann Sasa Stanisic! Phänomenale und perfekte Bücher, die mich nicht mehr loslassen und meine Mutter sogar zu Tränen rührten, sei es die Geschichte vom jungen Alexander, der den Krieg in Bosnien durchlebt oder der wundervolle Roman „Vor dem Fest“, der einen einzigen Tag eines Dorfes in der Uckermark beschreibt. Nicht zu vergessen die großartigen Kurzgeschichten von Karen Köhler und der erste schöne Roman von Mirna Funk.

Natürlich ist es alles nicht, im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Nacht in Paris oder in Beirut in der Nacht davor, oder in ganz Syrien und Bagdad heute morgen. Natürlich herrscht nun auch hier in Den Haag eine ganz andere Stimmung. Auch der Himmel ist nicht mehr strahlend blau, wie in den Tagen davor, sondern regen-grau.

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