GESCHREVEN DOOR

Lana Lux (DE)
VERTAALD DOOR

Joyce Bekkers (NL)
Lana blog 3
03 November 2018
Es gibt Zeiten, in denen ich extrovertiert und auch Zeiten, in denen ich introvertiert bin. Wenn ich viel Glück habe, deckt es sich mit den Anforderungen, welche die Welt an mich stellt. Zur Zeit habe ich wenig Glück in dieser Sache, denn ich befinde mich ganz eindeutig in der introvertierten Phase, mitten auf einem Festival, dessen Sinn und Zweck der Austausch, die Aufnahme fremder Gedanken und Energie und das Mitteilen der eigenen ist.
Um 15 Uhr ist The Addict. Die Veranstaltung beinhaltet die Performance einiger Autoren und ist ansonsten ein Forum der internationalen Literaturszene. Es ist also 15 Uhr, ich befinde mich in dem falschen Modus und es gibt Weißwein. Ja, um 15 Uhr! Ich nehme mir einen, in der Hoffnung etwas extrovertierter zu werden. Dann noch einen und noch einen und dann ist es schon 18 Uhr, die Zeit für unser Chronicles-Dinner. Wie war die Performance? Mit wem habe ich in der Zeit gesprochen? Ich erinnere mich nicht an alles. Ich bin müde, unendlich müde. Ich brauche Rückzug, bevor mein Kopf implodiert.
Es ist 20 Uhr. Ich gehe zurück ins Hotelzimmer, ziehe meine Kleidung, zusammen mit dem ihr anhaftenden Tag aus und steige unter die Dusche. Das Wasserrauschen übertönt den Lärm in meinem Kopf, übertönt das viele Lachen, die vielen Fragen, meine Gedanken. Ich trockne mich ab, entferne die verlaufene Wimperntusche unter meinen Augen. Die Müdigkeit ist ganz klar am Steuer meines Körpers und diktiert mir den Weg ins Bett. Nur eine Stunde, sage ich, während sie mich auf die Matratze niederdrückt. Nur eine Stunde, oder maximal zwei. Dann werde ich zu dem Festival zurückgehen. Zumindest zu der Afterparty. Unbedingt!
Die Müdigkeit legt beide Hände auf meine Augen. Ich spüre wie mein Bewusstsein sich von meinem Körper trennt. Wie gut ich diesen Zustand auch kennen mag, er bleibt für immer mit einem Widerstand und einer Furcht verbunden. Mein Bewusstsein entfernt sich immer weiter und weiter. Nur ein ganz zarter Faden verbindet es mit meinem Körper. An diesem Faden werde ich mich später in ihn zurückfinden und aufwachen.
Als Kind hatte ich mich fast immer geweigert schlafen zu gehen und selbst heute wehrt sich mein inneres Kind dagegen. Damals hatte ich jedoch wirklich Angst vor dem Schlafen, denn Schlafen fühlte sich für mich schon immer wie Sterben an. Dem Schlaf zu begegnen, ist etwas Unfassbares, Unkontrollierbares. Wir überlassen unseren Körper der Welt, ohne ihn bei Gefahr beschützen zu können. Zu Schlafen heißt loszulassen und zu vertrauen. Viele Jahre später las ich in der griechischen Mythologie von Nyx, der aus dem Chaos entstandenen Nachtgöttin, und ihren Kindern, den Zwillingsbrüdern Schlaf und Tod, und begriff, dass hinter meiner persönlichen Wahrnehmung auch etwas Universelles verborgen sein muss.
Wir verbringen viele Jahre unseres Lebens im Schlaf und davon einen großen Teil in der Traumwelt. Ich erlebe die meisten meiner Träume sehr bewusst und es fühlt sich an, als würde ich in zwei parat existierenden Welten leben, der Real- und der Traumwelt. Aber was ist schon real? Schließlich gibt es für die Existenz unserer materiellen Welt nach wie vor keinen physikalischen Beweis. Existiert alles nur in unserem Bewusstsein? Ist real nur was sich real anfühlt?
In der „Traumwelt“ war mein Bewusstsein auf der Party. In der „Realwelt“ blieb mein Körper im Bett. War ich nun auf der Party oder nicht?

























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