GESCHREVEN DOOR

Lana Lux (DE)
VERTAALD DOOR

Joyce Bekkers (NL)
Lana - blog 2
02 November 2018
Den Haag, November, Sonne, Regen, Sonne. Ich schaue mich um, komme nicht weit. Regen. Auf einem Straßenschild entdecke ich einen kleinen Storch, ich mache ein Foto und füge es meiner Instagramstory hinzu. Ich gehe weiter, wieder ein Straßenschild, wieder der Storch. Ist das Street-Art? Bei uns in Berlin sieht man häufig kleine Korkmännchen auf Straßenschildern. Sie heißen Street Yogi und sind Werke des Yoga-Trainers Josef Foos. Der Storch ist jedoch nicht aus Weinkorken und einem Schaschlikspieß gefertigt, sondern aus Messing.
Ich checke im Hotel ein. Der Mann an der Rezeption begrüßt mich überschwänglich und spult seine Willkomensrede, inklusive der Essenszeiten und anderer Bestimmungen, runter. Alles auf Niederländisch. Ich verstehe es nicht, aber ich lächle und nicke und nehme meine Karte entgegen. Ich kann mir denken, was er sagt, denn die Ansagen in hübschen, teuren Hotels unterscheiden sich kaum voneinander. Ich sage „Dank je wel“ und fahre mit dem Fahrstuhl in den vierten Stock um den Rest des Tages zu verschlafen, in der Nacht ein wenig zu lesen, und dann weiter bis zum Mittag des nächsten Tages zu schlafen.
Crossing Border, Autor*innen aus aller Welt. Heute lässt sich der Aus-Aller-Welt-Effekt sehr leicht maximieren in dem Autor*innen eingeladen werden, die direkt mehr als eine Welt mitbringen. Wir treffen uns in der Lobby. Der Moment des ersten Eindrucks. Die meisten von uns sind offensichtlich von wo anders als von wo sie kommen. Wurzeln wird das genannt. Oder Vergangenheit. Oder Rassismus, denn was spielt es für eine Rolle? Dennoch fragen wir uns das. Wo kommst du her? Was meint die Frage? Welches Wo? Es gibt so viele. Ich sage Berlin. Weil es stimmt und weil ich es gerne sage. Es sagt was Gutes über mich aus. Es sagt, dass ich urban bin und den Aus-Aller-Welt-Effekt auf der Nasenspitze trage. Später am Abend wird das Wo vertieft. Es wird kombiniert mit wie-lange-schon und wo-vorher. Jede neue Begegnung ist eine Reise in die Vergangenheit, ob ich es will oder nicht. Und du? Ich frage nur aus Rache. Mich interessiert es nicht. Mich interessiert was die Leute essen. Das sagt viel mehr über sie als Menschen aus, als der Ort wo sie herkommen. Mich interessiert auch wohin die Leute gehen wollen und warum. Das warum ist immer das interessanteste.
Warum steht da ein Storch auf den Straßenschildern? Es ist ein Wahrzeichen. Und warum? Schulterzucken. Ich frage Google: Storch, Den Haag? Google: Schulterzucken. Wappentier halt. Wahrzeichen. Viele Gemeinden haben Storch als Wahrzeichen. Warum, frage ich Google. Google weiß es nicht, gibt es aber nicht zu und erklärt mir stattdessen in welcher Form Störche auf Wappen dargestellt werden können. Zum Bespiel, auf einem Bein, mit einem Frosch oder Schlüssel im Schnabel. Warum, Google, warum? Naja, sagt Google, so allgemein steht es für Wohlstand, Gesundheit und Verschwiegenheit. Verstehe. Vielleicht hat gerade die letzte Tugend dafür gesorgt, dass ich keine Geschichte zu dem Storch finden kann. Google versucht mich abzulenken, ihr ist es unangenehm irgendetwas nicht zu wissen und sie würde es auch nie zugeben. Störche sind auch Boten des Frühlings, wusstest du das? Nein, sage ich, aber sind nicht alle Zugvögel boten des Frühlings wen sie zurückkehren? Ob sie dann auch gefragt werden woher sie kommen? Den ganzen Frühling lang und den ganzen Sommer lang, solange bis sie genug davon haben und wieder wegfliegen?
























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