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GESCHREVEN DOOR

Olivia Wenzel

(DE)

VERTAALD DOOR

Peter Huijzer

(NL)

Olivia Wenzel - 4

7 November 2021

lieber peter, guten morgen!

es freut mich, dass du dich dagegen entschieden hast, professionell zu übersetzen (ha!), und im vorigen blogtext etwas hinzu geschrieben hast, das nicht von mir stammt. michel serres kenne ich noch nicht, klingt stark.

gestern habe ich dir etwas angekündigt, das ich dann nicht mehr schaffte, aufzuschreiben.

aber es waren ohnehin erneut zu viele zeichen, pardon. heute liegt es also nahe, dass ich meinen bericht über ein erfreuliches telefonat sowie ein für dich vermutlich weniger erfreuliches gedicht nachreiche. ich weiß noch nicht, ob mir das gelingen wird. im moment sitze ich stark verkatert am pc; mir ist so gar nicht nach kohärenter pflichterfüllung. und noch weniger danach, mir etwas auszudenken. deshalb anbei ein paar random things, unsortiert, fragmentarisch, in der kürze liegt die würze, los geht’s:

– ich schaue aus dem fenster: ein junger mann in blau-weißem fußballtrikot passiert einen weißen, älteren mann ohne haare. eingehüllt in eine art bodenlange, schwarze kutte aus leder und mit wehendem bart, geht der glatzkopf vorbei. the present passes the middle age, denke ich, without seeing it. an wie vielen menschen bin ich in meinem leben vorbei gegangen, ohne sie zu sehen? und aus welcher richtung kommt eigentlich die zukunft auf mich zu?

– ich schaue aus dem fenster: eine schar dunkler vögel flattert elegant, in einer wirbelnden bewegung, durch die einkaufspassage.

– ich schaue aus dem fenster: mein kopf tut weh. vielleicht schwimmt mein hirn in einer brühe aus wein und bier.

– ich gehe ins bad. am boden liegt ein handtuch, das aussieht, als hätte es jemand vollgeblutet. die schlieren ergeben kein muster. ich erinnere mich nicht, meinen lippenstift so großflächig darin verteilt zu haben. oder meinen maskara. der lack ist ab, von meinen augen glitt schwärze ins frottee – o weh.

– ich schaue auf mein handy. gestern habe ich mir, besoffen und euphorisch nach ausgelassenem tanzen auf einem wunderschönen konzert, eine sms selbst geschrieben:

They all hang their coats one
1 wall. Hunger sings I’m the
one who makes the Music
(20times)/, the answers
WE give are NOT what we’re
saying/ all die Gitarren, so
awesome, i remember & would
Like to start a moshpit/ Zucker
aus Kristall & Beton/ so many
awesome lines i wanted to
remember but couldnt/ so
many Emoticons ibeill never
be aber to recreate though
words/ the Power of Touch/
though Music/ the euphoric
Release of screawming
wohoo after a Song/ the
greatness of a group playing
Music together/ my deep
deep Desiree to do this
again and Not to Talk dryly
about writing down Shit/ die
Intuition, die stärker ist als alles.
Die liebe zu waves in the
Air, Sung & screamed words,
Instruments. No Book can ever
give me that. A Book means
solitude, a Book means pain
you cant Share or only after
the writing is done. Writing is
never immediate or direct, it’s
always

Lonely and silent, No Matter
how loud you talk

– ich schaue auf mein handy. die sms, die ich mir selbst geschrieben habe, wurde gesendet, aber kam nie bei mir an. zahlendreher, shit. irgendeine person wird gestern nacht sehr irritiert in ihr smartphone gestarrt haben.

– ich schaue auf mein handy. colin, ein absurd lustiger, aufgeschlossener und – zu meinem bedauern schwuler – mann, in dessen wohnung wir uns gestern nacht selbst einluden und dessen freundinnen speed von fahrradschlüsseln in ihre nasen zogen, fragt: did all the writers and translators survive the night? and did you?

– did you?

– did you?

WAT HEEFT DIT VERHAAL GEÏNSPIREERD?

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6 November 2021

Olivia Wenzel - 3

lieber peter, guten morgen! today four things might happen: 1. i will torment you with the difficulties of local dialects. 2. i will tell you about a very friendly person i talked to on the phone. 3. my little, boring experiences in the hotel will again melt into a sort of poem. (ha!) 4. i want to admit to you or maybe even say sorry: diese schreibübungen bereiten mir eine, kleine sadistische freude, seit ich begriffen habe, in was für nöte sie dich bringen ...

5 November 2021

Olivia Wenzel - 2

- ich fahre lange stunden im zug von berlin nach den haag, zum ersten mal in meinem leben in der ersten klasse, sehr früh sehr billig gebucht, awesome. das abteil füllt sich schnell. eine schöne, massige person setzt sich mir gegenüber und verdrängt freundlich, stück um stück, über stunden, meine füße unter dem tisch.

Zie The Chronicles live tijdens Crossing Border 2021